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29.03.2019, 12:40 Uhr

Braucht Vorhelm eine neue Mehrzweckhalle?

„Vereine wollen festes Dach über dem Kopf“



Vorhelm - Es gab Zeiten, da waren im Wibbeltdorf zwölf Gaststätten zu finden. Gleich vier davon verfügten über Festsäle, die Hellbachhalle kam 1973 als lokaler wie kreisweit gefragter Veranstaltungsort hinzu. Überregionale Tagungen von Banken, Bauern oder Tierzüchtern blieben über viele Jahre keine Seltenheit. Inzwischen hat sich der Wind komplett gedreht: Nicht nur, dass auswärtige Verbände in Vorhelm keinen Platz mehr für Veranstaltungen finden; die örtlichen Vereine suchen selbst händeringend nach einer Heimstatt. Die Lösung könnte eine neue Mehrzweckhalle sein. „AZ“-Redakteur Christian Wolff hat darüber mit Hubertus Beier gesprochen, dessen CDU-Fraktion einen entsprechenden Prüfauftrag an die Verwaltung gerichtet hat.

Blick zurück: Wie konnte es überhaupt dazu kommen, dass heute nur noch ein einziges Lokal in Vorhelm Bestand hat?

Beier: In Bezug auf die Gastronomie hat sich bis heute ein enormer Wandel vollzogen. In früheren Zeiten war es normal, dass man nach Arbeitsende erst einmal die örtliche Gaststätte oder Kneipe aufsuchte. In der heutigen Zeit wäre das undenkbar. Auch das gesamte Freizeitverhalten der Menschen hat sich verändert. Die Gaststätte ist als spontaner Treffpunkt nicht mehr so sehr angesagt. Ein gutes Beispiel ist das traditionelle Kegeln. Während früher fast jeder Zweite aktiv in einem Kegelverein war, beobachten die Anbieter auch hier einen rückläufigen Trend. Von diesem Kulturwandel ist Vorhelm nicht verschont geblieben.

War es ein Fehler, sich gänzlich von der Hellbachhalle zu trennen oder hätten es die örtlichen Vereine vielleicht doch in Eigenregie gestemmt, das Objekt zu sanieren?

Beier: Nein , unter den damaligen Bedingungen und Gegebenheiten war es kein Fehler, sich von der Halle zu trennen, denn der Investitionsstau war am und im Gebäude deutlich zu erkennen. Und man hätte hier, um den gastronomischen Standard wieder zu erreichen, eine Menge Geld investieren müssen. Leider – aus Vorhelmer Sicht – wurde die Hellbachhalle von der Stadt Ahlen, nachdem die Stadthalle ihren Betrieb aufgenommen hatte, nicht mehr mit den nötigen Investitionen bedacht. Die Vereine hatten, als die Halle zum Verkauf stand, sich schon überlegt, die Halle in Eigenregie zu kaufen und selbst zu betreiben, aber die Finanzierung erwies sich als zu hohe Bürde. Auch die zukünftige Unterhaltung des gesamten Gebäudekomplexes erschien damals sehr unrealistisch. Aus heutiger Sicht war die damalige Entscheidung richtig, sich nicht auf eine ungewisse Zukunft der Halle einzulassen.

Wie entstand die Idee innerhalb der CDU, den Neubau einer Mehrzweckhalle prüfen zu lassen?

Beier: Die Idee ist konkreter geworden, als die Schließung der Gaststätte Pelmke bekannt wurde, da dort unter anderem das große Festzelt für den Karneval aufgebaut wurde. Das war nach der Hallenschließung eigentlich auch nur als Notlösung gedacht, wurde dann aber für mehr als 15 Jahre zur Dauereinrichtung.


Da hat sich die CDU Vorhelm schon überlegt, wie wir in Zukunft große gesellschaftliche Anlässe in Vorhelm umsetzen wollen. Und so entstand die Idee, Sport und gesellschaftliche Anlässe wie Musikveranstaltungen, auch kulturelle Veranstaltungen wieder mit einem festen Dach über dem Kopf stattfinden zu lassen. Das ist auch der Wunsch vieler Vereine, die inzwischen mit uns ins Gespräch gekommen sind.

Sie sprachen es gerade an: Um eine bestmögliche Auslastung zu erreichen, müsste die Halle neben Festen tatsächlich auch für sportliche Veranstaltungen oder Ähnliches nutzbar sein. Besteht da Bedarf?


Beier: Ja, natürlich. Gerade in den Wintermonaten ist für sportliche Aktivitäten die Nutzung einer Mehrzweckhalle von enormer Bedeutung, da die örtlichen Aktiven nicht mehr in auswärtige Hallen ausweichen müssen und sogar Potenzial bestünde, ganz neue Gruppen zu etablieren – ganz unabhängig von jeder Jahreszeit. Idealerweise wäre auch eine Nutzung als Tennishalle, wenn es die technischen Voraussetzungen zulassen.

Wo könnte ein neues Veranstaltungszentrum am sinnvollsten seinen Platz finden?

Beier: Die Standortfrage ist für mich die Schlüsselposition. Zum heutigen Zeitpunkt kann ich über einen Standort allerdings nur spekulieren – mehr nicht. Ich will auch nicht dem vorgreifen, was möglicherweise nach der Prüfung durch die Verwaltung an Vorschlägen auf den Tisch kommt.

Welche Vereine in Vorhelm, aber auch darüber hinaus, könnten von einer solchen Halle profitieren?

Beier: Jeder Verein und Verband, auch die Schule oder die Kindergärten, sollten die Möglichkeit haben, die Mehrzweckhalle in ihrer gewünschten Form zu nutzen. Und dass Nutzer auch aus den umliegenden Orten kommen könnten, steht außer Frage.

Wie sieht das weitere Vorgehen in dieser Sache aus?


Beier: Die Stadt Ahlen hat vom Rat im Dezember 2018 einen Prüfauftrag zur Realisierung der Mehrzweckhalle bekommen. So hoffen wir als Kommunalpolitiker, dass wir alsbald einen Sachstand bekommen, mit dem wir weiterarbeiten können.

»Die Standortfrage ist für mich die Schlüsselposition.«